Beunruhigende Nachrichten aus Spanien: Nachdem im Herbst viele Kraniche an der Vogelgrippe gestorben sind, trifft es nun offenbar die Weißstörche in ihren Überwinterungsgebieten in Spanien. Jüngste Meldungen aus der letzten Woche aus dem Großraum Madrid berichten von einem Massensterben unter Weißstörchen sowie Enten, Möwen und Greifvögeln.
Am Fluss Rio Manzanares, an dem viele Störche aus Südwestdeutschland die Wintermonate verbringen sterben Presseberichten zufolge in diesen Tagen zahlreiche ans Wasser gebundene Vögel. Über 500 Storchenkadaver wurden auf einem Flussabschnitt geborgen, mit vermutlich erheblicher Dunkelziffer. Offiziellen Angaben zufolge sei die hochpathogene Vogelgrippe die Ursache.
Da noch keine Ringfundmeldungen vorliegen bleibt vorerst unklar, ob Störche aus unserer Region betroffen sind. Auszuschließen ist das nicht, denn viele unserer Störche verbringen den Winter in Zentralspanien. Bislang sei ein Vogel anhand des Ringes als baden-württembergischer Storch identifiziert worden. Von manchen Senderstörchen lassen in diesen Tagen die Signale auf eine Erkrankung oder ihren Tod schließen. Unsere Senderstörche Aria und Adele aus Zaberfeld (auf dem Foto links und in der Mitte 2023 im Horst) zeigten dieses Wochenende normales Verhalten, das noch keinen Anlass zur Besorgnis gibt. Zudem hält sich Adele abseits des Ausbruches auf einer Müllkippe südöstlich von Cordoba und Aria bei Marseille in Südfrankreich auf. Diese Regionen scheinen noch nicht von der Vogelgrippe betroffen zu sein. Während des Frühjahrszuges könnte es aber zu einer weiteren Ausbreitung der Influenzaviren kommen.
Die Entwicklungen zeigen, wie unvermittelt Wildvögel mit bestandsgefährdenden Situationen konfrontiert werden können. Noch ist es zu früh, um das Ausmaß zu beurteilen, aber ein Aderlass in unserer Storchenpopulation ist zu befürchten. Im Frühling könnten weniger Störche zurückkehren und weniger Brutplätze besetzt werden als in den Vorjahren. Nach einem Bestandsanstieg in Baden-Württemberg zeigt dieser Winter, wie schnell und unerwartet ein von kritischen Stimmen oft als zu hoch bewerteter Storchenbestand durch Einflüsse wie Krankheitserreger wieder schrumpfen kann. Nur stabile, reproduktionsfähige Populationen sind in der Lage derartige Verluste zu kompensieren und dazu braucht es im Brutgebiet geeignete Nistplätze und Naturräume.