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Die Bechsteinfledermaus im Naturpark

Waldfledermaus mit Vorliebe für Baumhöhlen

Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) gehört zu den seltensten Fledermausarten Europas. Baden-Württemberg spielt eine besondere Rolle für den Erhalt der FFH-Art, da sich hier ein Verbreitungsschwerpunkt dieser Fledermausart befindet.

Die Bechsteinfledermaus lebt in alten, strukturreichen Mischwäldern mit viel Alt- und Totholz. Besonders wichtig sind mehrschichtige Wälder mit zahlreichen Baumhöhlen. Während der Sommermonate finden sich die Weibchen in sogenannten Wochenstubenkolonien zusammen. Hier bringen die Weibchen ihr Jungtier zur Welt und säugen es mit Muttermilch, bis es flügge ist. Eine Kolonie nutzt oft bis zu 40 verschiedene Höhlenbäume verteilt über den Sommer, zwischen denen sie regelmäßig wechseln.

Für das rund 400 km² große Naturparkgebiet liegen bislang nur sehr wenige Daten zu Fledermäusen und insbesondere zur Bechsteinfledermaus vor – viele davon sind nahezu 20 Jahre alt. Gleichzeitig gilt die Art als äußerst standorttreu: Kolonien nutzen ihre Verbundsysteme über viele Jahre hinweg. Gehen diese Strukturen verloren, steigt das Risiko eines lokalen Bestandsverlusts erheblich.

Ein wirksamer Schutz ist daher nur möglich, wenn die Wochenstubenstandorte bekannt sind. Sie sind der Schlüssel zum Erhalt der Art.

Die Bechsteinfledermaus ist eine Leitart für intakte, strukturreiche alte Wälder. Schützen wir sie, schützen wir viele weitere Arten. Und wir bewahren ein Stück lebendiger Waldzukunft. -

Steckbrief

Die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) ist eine typische Waldfledermaus, die besonders auf alte Bäume mit Höhlen angewiesen ist. Sie lebt in sogenannten Wochenstuben, in denen sich Weibchen zur Aufzucht ihrer Jungen zusammenschließen.
Der Schutz dieser Quartiere und deren Umfeld ist entscheidend für das Überleben der Art.

Name: Bechsteinfledermaus

Wissenschaftlicher Name: Myotis bechsteinii

Tiergruppe: Säugetiere

Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)

Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)

Fell: oberseits rotbraun bis braun, unterseits hellgrau

Ohren: sehr lang und breit

Körperlänge: etwa 4,5–5,5 cm

Flügelspannweite: ca. 25-29 cm

Gewicht: ungefähr 7–14 g

Verbreitungsgebiet

Die Bechsteinfledermaus ist vor allem in Europa, besonders in Mitteleuropa in alten, strukturreiche Laub- und Mischwälder  mit vielen Baumhöhlen anzutreffen.

Biologie

Jagdverhalten:

Sie nimmt pro Nacht ca. 2/3 ihres Körpergewichtes an Nahrung auf. Dabei besteht die Nahrung aus Gliedertieren wie Insekten, Spinnen und Hundertfüßer.

Die Bechsteinfledermaus erbeutet sowohl fliegende als auch ruhende Insekten. Als „Gleaner“ sammelt sie letztere vom Substrat ab. Die nächtlichen Jagdgebiete der Bechsteinfledermaus sind eng assoziiert mit den genutzten Quartieren in Baumhöhlen. Zur Jagd entfernen sich die Bechsteinfledermäuse meist kaum mehr als 1000m von ihren Quartieren und sind somit kleinräumig unterwegs.

Fortpflanzung:

Die Bechsteinfledermaus paart sich im Spätsommer/Herbst und speichert den Samen über den Winterschlaf. Mit der Aktivitätsphase im Frühjahr erfolgt die Befruchtung. Das Weibchen bringt im Juni meist 1 Junges zur Welt. In der Regel ziehen 25-30  Weibchen ihre Jungen in einer Wochenstube groß. Als Quartiere nutzen sie dabei Baumhöhlen, bevorzugt Spechthöhlen. Alle paar Tage wechseln sie das Quartier mit Kind und Kegel und nutzen so den  Sommer über  rund 40 verschiedene Baumhöhlen, die aber räumlich meist nicht mehr als wenige Hundert Meter voneinander entfernt sind. Einen solchen Quartierkomplex nutzen die Bechsteinfeldermäuse über viele Jahrzehnte.

 


Aktionsplan Bechsteinfledermaus Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Schutz der Bechsteinfledermaus im Naturpark - Die Projektziele:

  • die Verteilung der Wochenstuben der Bechsteinfledermaus innerhalb der Naturparkkulisse zu identifizieren, um langfristige Schutzmaßnahmen entwickeln zu können
  •  die Sensibilisierung der Bevölkerung und der forstlichen Akteure für die Belange der Bechsteinfledermau

Durch den Schutz der Quartierkomplexe der Bechsteinfledermaus profitieren weitere Arten mit ähnlichen Lebensraumansprüchen (Bechsteinfledermaus als Leit-/Schirmart).

 

Identifikation der Wochenstubenstandorte:

Karte des Projektgebiets

Der Erhaltungszustand der Bechsteinfledermaus in Baden-Württemberg ist ungünstig-unzureichend. Aus diesem Grund hat der Naturpark ein umfassendes Monitoringprojekt gestartet. Den Auftakt bilden die Recherche bestehender Daten sowie der Aufbau einer GIS-basierten Datengrundlage. Anschließend folgen gezielte Erkundungen im Projektgebiet.

Die Erfassung der Bechsteinfledermaus ist aufgrund ihrer Lebensweise besonders anspruchsvoll. Ein Nachweis mittels Echoortung ist kaum möglich, da die Ultraschalllaute der Art sehr leise sind.. Zudem erlaubt ein doch eher seltener akustischer Nachweis allein noch keine Lokalisierung der Wochenstuben.

 

 Eine sichere Identifikation der Quartiere gelingt nur durch Netzfänge, die Besenderung einzelner Weibchen sowie die anschließende Telemetrie. Dafür werden im gesamten Naturparkgebiet 25 Netzfangstandorte ausgewählt, die gleichmäßig über die Waldfläche verteilt sind. Entscheidend für die Standortwahl sind unter anderem das Alter und der Kronenschluss der Bäume sowie die Schichtung der Vegetation.

Gefangene Weibchen werden mit einem nur 0,25 Gramm schweren Minisender ausgestattet und anschließend wieder freigelassen. In den darauffolgenden Tagen werden die Tiere mithilfe der Telemetrie zu ihren Quartierbäumen verfolgt. Die identifizierten Höhlenbäume werden als Habitatbäume markiert und geschützt. Zusätzlich erfolgen Ausflugszählungen, um die Größe der jeweiligen Kolonien zu bestimmen.

Koordiniert wird das Projekt durch die Naturparkgeschäftsstelle. Die fachliche Umsetzung übernimmt das Institut für Tierökologie und Naturbildung. Unterstützt wird das Vorhaben von Forstverwaltungen sowie kommunalen Waldbesitzern. Denn erfolgreicher Artenschutz im Wald gelingt nur gemeinsam.

Mit der Lokalisierung und Markierung der Wochenstuben können die entscheidenden Habitatbäume dauerhaft gesichert werden. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die forstliche Planung ein.

Darüber hinaus soll auf Grundlage der erhobenen Daten ein Habitateignungsmodell entstehen. Dieses zeigt, welche Waldstrukturen für die Bechsteinfledermaus besonders geeignet sind und wo gezielte Schutzmaßnahmen erforderlich werden.

Langfristig sollen daraus Maßnahmen entwickelt werden, die dauerhaft in die Waldbewirtschaftung integriert werden können. So wird Artenschutz nicht zu einem zusätzlichen Aufwand, sondern zu einem festen Bestandteil einer zukunftsfähigen Waldwirtschaft.

Die Bechsteinfledermaus steht stellvertretend für intakte, strukturreiche Wälder. Mit ihrem Schutz bewahren wir nicht nur eine seltene Fledermausart, sondern auch den Lebensraum vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten.

 

Gefangene Bechsteinfledermaus - nach der Untersuchung und Vermessung der Tiere erhalten sie einen Sender und werden wieder in die Freiheit entlassen

Öffentlichkeitsarbeit:

Veranstaltungen & Infomaterial für die Öffentlichkeit

Im Rahmen unserer Fledermausprojekte finden regelmäßig Veranstaltungen statt, bei denen sich Interessierte über Fledermäuse, Waldnaturschutz und die Projektarbeit informieren können. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Begeisterung für die heimische Natur zu wecken und den Austausch zwischen Bevölkerung, Naturschutz und Forst zu fördern.

Forstliche Akteure sollen durch Fortbildungen für die Bedürfnisse von Waldfledermausarten wie der Bechsteinfledermaus sensibilisiert werden. Gemeinsam sollen zudem standortangepasste Maßnahmen zum Schutz der Art entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden.

Fledermausausstellung 2026 im Naturparkzentrum Zaberfeld

Die Ausstellung bietet faszinierende Einblicke in die Welt der Fledermäuse – mit interaktiven Elementen, Modellen, Klangbeispielen, sowie einem vielfältigen Rahmenprogramm für Groß und Klein. Besucherinnen und Besucher erhalten dabei spannende Einblicke in die Lebensweise der Fledermäuse.

Führungen und Aktionen

Expert:innen und geschulte Fledermausfreund:innen bieten regelmäßig spannende Exkursionen, Nachtwanderungen und Mitmachaktionen für alle Altersgruppen an. Aktuelle Termine und Veranstaltungen finden sich im Veranstaltungskalender des Naturparks:
Veranstaltungskalender Naturpark Stromberg-Heuchelberg

Öffentlichkeitsarbeit & Social Media

Wir informieren über Social-Media-Kanäle und digitale Formate über aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse, Veranstaltungshinweise und Wissenswertes rund um Fledermäuse und deren Schutz. So sollen insbesondere auch jüngere Zielgruppen erreicht und für den Schutz der Artenvielfalt sensibilisiert werden.

Zusätzliche Links:

https://www.bechsteinfledermaus.eu/de/be/startseite/

Projektdaten

Ansprechpartner: innen:

Maren Meissner: Projektmanagement Naturschutz & Landschaftspflege
m.meissner@naturpark-stromberg-heuchelberg.de

Projektlaufzeit:
Dezember 2025-Dezember 2026




 

Die Projektkoordination (PK) Aktionsplan Bechsteinfledermaus wird finanziert mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des ELER und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg

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